Textile Sinnenfreuden


Susanne Prendina kreiert Raffinesse auf den zweiten Blick

Ihr Name ist Programm. Susanne Prendina.
Eine Handschrift, die Spuren hinterlässt. Fast könnte man meinen, sie verwandelt sich in einen Geist und schlüpft in ihre Textilien, Texturen und Kolorits hinein.

Das, was die gebürtige Zürcherin seit vielen Jahren für Unternehmen wie WK-Wohnen, Strässle, Création Baumann, Treca, oder Gunther Lambert kreiert und entwirft, ist sie selbst mit Haut und Haaren. Ihre textilen Schöpfungen sind Stoffe mit Sinnlichkeit, mit Tiefgang, mit einer enormen Lebendigkeit und Unverfälschtheit.
Kreationen für nicht alltägliche Stoff-Kollektionen. Dabei sind Farbwelten, Strukturen und Dessins immer aus einem Guss.
Trockene Strukturen finden sich auf kreidigen Stoffen wieder und werden bewusst auf natürlichen Materialien in warmen Erdtönen wie Siena, Umbra, oder Ocker eingesetzt.
Die Reduktion graphischer Motive hat für sie mit Strenge und Schlichtheit zu tun. Eine Welt mit dem Reichtum der Mineralien und Steine öffnet sich dem Betrachter. Klarheit und meditative Ruhe strahlen diese Stoff-Kreationen aus.
Daneben eine ganz andere Welt: Verspieltheit, Sinnlichkeit, Buntheit, Frische und Fröhlichkeit, Blüten, Blätter und florale Motive – wiederum stimmig in Material, Farbe und Themenwelt.
Wer ist diese Susanne Prendina ? Woher nimmt sie die Sicherheit für Textilien ? Was inspiriert sie immer wieder auf’s Neue ?
Tatsächlich geht Susanne Prendina bei der Ideenfindung unkonventionelle Wege. Vermutlich ist sie jedes Mal frisch verliebt in das jeweilige Thema, das sie als kommendes Trendthema in sich spürt.
Vielfältig sind die Einflüsse. Die Kunst, die verschiedenen Kulturen und vor allem die Natur wirken stark auf sie ein. Ein Urlaub am Meer – und plötzlich spürt sie Muscheln in allen Variationen. Oder ein Trip nach New York , eine Ausstellung zum Thema «Afro-Wochen». Was bei Vielen lediglich erstaunen auslöst, mündet bei Susanne Prendina in kreative Arbeit.
Aus der «Afro-Inspiration» entsteht zu einem späteren Zeitpunkt die Handweb-Kollektion «Ebony», die sie für das Haus WK-Wohnen entwickelt.
Scheinbar «zufällig» begegnet Sie der senegalesischen Textilkünstlerin Aissa Dione aus Dakar und sie ist spontan begeistert von den afrikanischen Handweb-Stoffen die sie als Trendthema sofort aufgreift.
In einer sehr intensiven Zusammenarbeit entsteht das Gemeinschaftsprojekt der beiden Frauen. Die Dessins und die Farben entwickeln die Schweizerin und die Senegalesin gemeinsam. Es sind frappierend einfache, geometrische Motive wie Streifen und Karos, deren Faszination in der Schlichtheit, in der Reduktion und den feinen Unterschieden liegt, die durch den handwerklichen Fertigungsprozess entstehen.
Das Material ist Baumwolle aus Senegal und Bastgarn. Die Stoffe gibt es in wunderschönen Naturtönen, die so typisch für die Kultur Afrika sind: Erde, Sand, Terracotta, Holz. «Ebony» ist keine Kollektion im herkömmlichen Sinne sondern ein textiles Kunstwerk, das die jahrtausendealte Kultur der Textilherstellung in Afrika in sich trägt.
So ist aus der Begegnung eine Textil-Kollektion entstanden, die die Tradition der senegalesischen Stoffe unverfälscht wiedergibt.
Bei «Ebony» handelt sich um keinen Fall um einen modischen Ethnotrend; es sind Entwürfe, die eine Archaik im kulturellen Sinne in sich tragen und somit höchste Qualität und Zeitlosigkeit ausstrahlen.
Ohne Zweifel gehört aber ein enormes Fingerspitzengefühl dazu, den richtigen Zeitpunkt zu erahnen, um mit einer solchen Kollektion auf den Markt zu kommen.
Und den besitzt Susanne Prendina mit seismographischer Genauigkeit.
Vergleichbar einem Vulkanausbruch spürt sie genau den Zeitpunkt, wann welche Ideen reif sind – reif für den Markt.
Die Zürcherin ist eine gefragte Textildesignerin, ihr Name ist inzwischen Markenzeichen geworden.
Und doch ist sie – wie so viele kreative eine «Quereinsteigerin».
Nach der Ausbildung als Innenarchitektin ist sie für sechs Jahre im Zürcher Wohntextilienfachgeschäft Artiana für Einkauf, Verkauf und Ausstellungsgestaltung zuständig.
Danach wechselt sie in das WK – Einrichtungshaus «Zingg-Lamprecht», Zürich, und betreut dort für zehn Jahre den Bereich Möbel, Wohntextilien und Accessoires.
Sie ist Mitglied der Geschäftsleitung und verantwortliche für die Bereiche Einkauf, Verkauf, Werbung/PR und Ausstellung.
Im Anschluss folgen zweieinhalb Jahre bei Création Baumann in Langenthal. Zu einer Zeit, in der auch in der Schweiz die Rezession in der Textilbranche spürbar wird, überrascht sie mit einem völlig unerwarteten Konzept die Fachwelt: «Living» ist eine Coordinate-Kollektion, die eine einzigartige Kombinationsvielfalt aufweist.
Susanne Prendina ist verantwortlich für Konzept, Création und Entwicklung.

Ab 1995 wird sie Leiterin für Création und Entwicklung der Textilkollektion von WK Wohnen, Leinfelden-Echterdingen.
«Ebony» ist eine spezielle Kollektion, die sie für WK im Jahr 1997 kreiert hat – viele weitere folgen. Neben Dekorations- und Möbelstoffen entwirft sie Bettwäsche und Teppiche, fein aufeinander abgestimmt und stehts individuell kombinierbar.
Das ist ihre grosse Stärke: Das Einzelne und das Ganze.
Wer einmal ihre Kollektionen durchsieht, der spürt sofort den roten Faden, den «unsichtbar» mitspinnt. Ihre Themen sind durchdrungen, nichts wird dem Zufall überlassen. Am Beginn Ihrer Arbeit steht als erstes die Idee, daraus entwickelt sie ihr Konzept, das sie bis ins kleinste Detail durchzieht.
Es ist ihre Art zu arbeiten: profund, professionell, perfekt.

Auf den ersten Blick erscheint sie sensibel, feinfühlig und kreativ durch und durch.
Erst im Gespräch und beim näheren Betrachten ihrer Arbeiten spürt man die Fachfrau, die ganze Arbeit leistet. Sie kennt das ABC der Branche, die unterschiedlichen Wünsche von Einkauf, Verkauf und Konsument.
Eine erfolgreiche Kollektion zu erstellen, bedeutet immer wieder diese «Zerreissprobe» mit Glanz und Gloria, mit Selbstbewusstsein und Ueberzeugungskraft zu bestehen. Erstaunlich, wie sie trotz dieses kontinuierlichen
Kraftaktes feinfühlig bleibt, sensibel ganz Frau, offen und beweglich für das was kommen wird.
In ihrem Kopf spukt bereits, was wir als Endverbraucher frühestens in zwei Jahren zu Gesicht bekommen. Bei ihr spukt es nicht nur, sie sieht die zukünftigen Entwicklungen mit visionärer Sicherheit.
So prognostiziert sie für das textile Interieur eine neue Aera der Romantik und meint damit eine weiche Linie, angelehnt an fernöstliche Kulturen wie zum Beispiel China oder auch Elemente eines neu interpretierten Art Déco.
Diese Romantik, die Susanne Prendina in einer feinen Optik sieht, kann durchaus eine Kombination mit High-Tech Garnen eingehen. Zwischen Natur und Technologie Sieht sie keine Gegensätzlichkeit, sondern durchaus Harmonisches als textile Botschaft für die Jahrtausendwende.

Sabine Wagenseil