Zürich Dakar

Mit etwas Glück und viel
Engagement ging aus der
Begegnung zweier Frauen
aus der Schweiz und dem
Senegal eine faszinierende
Stoffkollektion hervor.


«Sensationell schön, sehr zeitgemäß und auf gar keinen Fall ethnisch im herkömmlichen Sinne», schwärmt die Textilfachfrau Susanne Prendina, habe sie die Stoffe von Aissa Dione, einer Textilkünstlerin und Inhaberin einer kleinen Handweberei in Dakar, empfunden. Rein zufällig waren sich die beiden Frauen während der «Afro-Wochen» in Winterthur vor drei Jahren begegnet. «Da mich die handwerkliche Seele der Stoffe auf Anhieb sehr begeisterte, habe ich WK vorgeschlagen, die Stoffe ins Programm zu nehmen»,
so Prendina weiter. Als Leiterin der
Textillinie beim Möbelverband WK-Wohnen ist die Zürcherin für die Ent-wicklung neuer Kollektionen verant-wortlich. In den Geweben aus Dakar sah sie die Chance, dem Programm etwas Außergewöhnliches hinzuzufügen. Bei den Verantwortlichen des Verbandes fand die Designerin mit ihrem Vorschlag sofort Zustimmung; dem Projekt Zürich – Dakar schien nichts mehr im Wege zu stehen. Doch was so vielversprechend begann, geriet bald ins Stocken. Mit der traditionellen Technik konnten Dione und ihre Mit-arbeiter in Dakar nur Stoffe in einer Breite von höchstens 90 Zentimetern herstellen. Für die industrielle Ferti-gung seiner Polstermöbel benötigt WK aber eine Breite von 140 Zentimetern. Das Projekt – so interessant es auch war – drohte zu scheitern.
Damit wollte Prendina sich auf keinen Fall zufriedengeben. Sie war von der Qualität der Stoffe so sehr überzeugt, daß sie sich in der Schweiz auf die Suche nach einem Handwebstuhl machte. Prendina wurde fündig und gewann zudem die WK-Erwin-Hoffmann-Stiftung als Sponsor ihres Vorhabens.
Kurze Zeit später machte sich eine gelernte Handweberin aus Deutsch-land auf den Weg nach Dakar – im Gepäck einen Webstuhl, auf dem die geforderte Breite von 140 Zentimetern produziert werden kann. Sie blieb drei Wochen im Senegal und brachte den Mitarbeitern Diones den Umgang mit dem fremden Webstuhl bei.
Da alles auf Anhieb funktionierte, entschloß sich Dione, auf eigene Kosten fünf weitere Webstühle in Dakar nachbauen zu lassen. Innerhalb von nur sechs Monaten war eine neue Pro-duktionsstätte entstanden. Aus der be-scheidenen Handweberei, die Dione 1985 gegründet hatte und in der die Stoffe zum Teil noch immer unter frei-em Himmel gewebt werden, war ein
Unternehmen mit 50 Mitarbeitern ge-worden, das jedes Jahr allein für den WK-Verband zirka 12000 Meter Stoff produziert.
Die Dessins und die Farben der WK-Kollektion «Ebony» entwickelten die Schweizerin und die Senegalesin gemeinsam. Auf der Basis einfacher geometrischer Motive wie Streifen und Karos entwarfen die beiden Textilfachfrauen Baumwollstoffe, deren Reiz in der Reduktion und in den feinen Unregelmäßigkeiten liegt, die durch den handwerklichen Fertigungssprozeß entstehen. Schon bei der ersten Präsentation der Stoffe auf der WK-Hausmesse im Herbst letzten Jahres rief «Ebony» bei den Besuchern Begeisterung hervor. Deshalb soll die Kooperation zwischen Zürich und Dakar fortgesetzt werden. In Aissa Dione und Susanne Prendina hat der WK-Verband zwei engagierte Frauen gefunden, auf deren nächste Kollektion man gespannt sein darf.

Susanne Wittorf